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Zwei Jahre Ermittlungsarbeit wegen Betrugs in 2000 Fällen
Aurich. Nach zweijährigen Ermittlungen haben Staatsanwaltschaft Aurich und eine Ermittlungsgruppe der Polizei haben ein 21 und 25 Jahre altes Ehepaar in Untersuchungshaft genommen. Beide sollen in 2000 Fällen Handykunden, Banken und Telefonprovider betrogen und dabei eine halbe Million Euro Steuern hinterzogen haben.
Die Eheleute hatten bereits 2006 einen Handyshop in Aurich geführt und standen im Verdacht, unerlaubt Telefonkarten und Handys zu entsperren. Anschließend zogen beide nach Südbrookmerland um und verkauften Handys über die Homepage ihrer neu gegründeten Firma, bevor sie ihren Sitz nach Wiesmoor verlegten. Dort trieben sie Internethandel mit Handys und unterhielten auch ein Ladengeschäft. Im Oktober 2009 zogen sie nach Friesoythe und verkauften wieder Handys im Internet per Vorkasse.
Dazu benutzten sie verschiedene Firmennamen, lieferten in vielen Fällen die gekaufte Ware trotz Bezahlung nicht und gründeten nach Bekanntwerden in einschlägigen Kreisen immer neue Firmen mit neuen Namen, Briefkasten-Firmensitzen, fiktiven Geschäftsführern oder auch Strohmännern, die angeblich Verantwortung übernehmen sollten.
Zuletzt betrieben die Beschuldigten die Firma „mobildevil“ mit Sitz in Köln, die aber im Internet schnell in Verruf geriet. Mit Unterstützung des Verbraucherschutzforums „outbay.ch“, das gegen Internetbetrüger vorgeht, gelang es, die Geschäfte von „mobildevil“ einzuschränken und die Geschäftsaufnahme einer weiteren Briefkastenfirma in Nürnberg zu verhindern.
Ein Sammelverfahren wird inzwischen für den gesamten deutschsprachigen Raum geführt, über 800 Anzeigen von geschädigten Personen liegen vor. Ihnen wurde trotz Bezahlung weder das gekaufte Handy geliefert, noch der Kaufpreis zeitnah zurückerstattet. Geschäftsleute und Firmen erstatteten Anzeige, bei denen die Eheleute Waren bestellten, oder ohne zu bezahlen Leistungen bezogen oder in Auftrag gaben. Bei mehreren Geldinstituten wurden Kredite genommen oder Konten überzogen. Ein großer deutscher Telefonprovider wurde geschädigt, bei dem sie in über 1100 Fällen den Abschluss von Telefonverträgen vortäuschten und Vertragsformulare fälschten. So kamen die Eheleute in den Genuss von freigeschalteten SIM-Karten, gesponserten Handys und Provisionen. Mit den SIM-Karten wurde von den jeweiligen Inhabern so lange telefoniert, bis die Karten vom Provider gesperrt wurden. Der Schaden allein hierfür beträgt über 300 000 Euro.
ggm/red

Aurich vom Sonntag, 8. August 2010, Seite 1