„Kommunikationsdesaster”

Landratskandidat wirft Amtsinhaber bei Zentralklinik gravierende Fehler vor. Fällt Bürgerentscheid in Emden negativ ist, soll Projekt „auf Null” gesetzt werden.

Von PETER SAATHOFF

Aurich. In ungewöhnlich scharfen Worten hat Landratskandidat Olaf Meinen (parteilos) seinen Konkurrenten Harm-Uwe Weber (SPD) angegriffen. Bei der Zentralklinik sei der Landrat 2014 mit einem „Kommunikationsdesaster” in die Debatte eingestiegen. Inzwischen seien die Ubbo-Emmius-Kliniken in Aurich und Norden nach 15 Jahren Missmanagement und aufgelaufenen Defiziten in Höhe von 84 Millionen zu einem Insolvenzfall verkommen - „ohne, dass die Investitionen einen Mehrwert für die Bürger hatten”. Sollten sich die Wähler am 26. Mai für Meinen als Landrat entscheiden, wolle er mit Hochdruck und so transparent wie möglich an der Zukunft des Gesundheitswesens im Landkreis Aurich arbeiten, verkündete Meinen am Donnerstag in einem Pressegespräch.

„Wichtig ist, dass diese Hinterzimmerpolitik aufhört”, sagte Meinen. Eine Situation wie 2014, als betroffene Bürgermeister aus der Zeitung von der angedachten Schließung ihrer Krankenhäuser erfuhren, dürfe sich auf keinen Fall wiederholen. „So geht man einfach nicht miteinander um”, sagte Meinen. Fehlende Kommunikation habe die Fronten in den vergangenen Jahren so verhärtet, dass sie 2019 kaum noch zu glätten seien. Selbst Meinen glaubt nicht, alle Kritiker von der Notwendigkeit einer Zentralklinik überzeugen zu können. „Manche kann man mit Fakten nicht mehr erreichen”, sagte der Großefehntjer Bürgermeisterkandidat. Manche aber doch. Um die will der Landratskandidat werben und mit ihnen gemeinsam den Weg in die nächsten 50 Jahre Gesundheitsversorgung im Landkreis Aurich gehen, kündigte der Landratskandidat an.

Denn ändern müsse sich einiges. „So wie jetzt geht es auf keinen Fall weiter”, sagte Meinen. Wie die zukünftige Klinikversorgung konkret aussehen soll, weiß der Großefehntjer zurzeit noch nicht. Ihm schwebten diverse Möglichkeiten vor, sagte Meinen gestern. Fiele der Bürgerentscheid in Emden am 26. Mai positiv aus, dann sollten die bisherigen Pläne konkretisiert und möglichst auch umgesetzt werden, sagte Meinen. Sprächen sich die Emder allerdings gegen eine Fusion aus, „dann müssen die Planungen auf Null gesetzt werden”. Denkbare Möglichkeiten wäre die Reaktivierung der Regionalklinik-Idee, die Umsetzung des Bredehorsts Gutachtens mit Investitionen in die bestehenden Standorte sowie verstärkte Kooperationen mit Kliniken in Wittmund oder Leer. Auch über den Standort Georgsheil könnte neu verhandelt werden. „Auf jeden Fall brauchen wir einen Neustart.”

Ändern müsse sich allerdings noch einiges mehr als nur die Gebäude. „Einen besonderen Fokus müssen wir auf das künftige Management legen”, sagte Meinen, „ein Neubau macht noch kein gutes Krankenhaus.” Meinen ließ offen, ob er an Claus Eppmann als Chef der gemeinsamen Trägergesellschaft der Kliniken festhalte. Er habe bisher „ein gutes” Gespräch mit Eppmann gehabt, „aber so kann ich natürlich nicht sagen, ob er der Richtige für den Posten ist.” Im Gegensatz zu den beiden Klinikstandorten in Leer habe das Management in Aurich die vergangenen Jahre versäumt, konstant und substanziell in ihre Klinikstandorte zu investieren. Daran sei zum Teil auch die Politik Schuld, die im Landkreis zu viel Einfluss auf die Kliniken habe.

Klar müsse sein, dass eine schwarze Null unter der Klinikbilanz keine heilige Kuh sei, sagte Meinen. Wichtiger als die nackten Zahlen sei die Qualität der Versorgung, sagte der Landratskandidat. Dafür müsse der Landkreis im Zweifelsfall Geld in die Hand nehmen. Auch um die Zukunft der ärztlichen Versorgung sicherzustellen. Das könne über verschiedene Instrumente gelingen, etwa Stipendien für angehende Ärzte, die sich nach dem Abschluss ihrer universitären Ausbildung für einen Arbeitsplatz im Landkreis entschieden oder über finanzielle Starthilfen bei Praxisgründungen. So oder so gelte: „Wir müssen dringend was tun.”

Emden vom Samstag, 9. März 2019, Seite 3 (7 Views)

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