Auf dem Weg zu attraktiverem ÖPNV

Kreisentwicklungsausschuss befürwortet Echtzeitdatensystem im Landkreis Aurich. Umsetzung ist für den

November geplant.

Norddeich. Die U-Bahn, die S-Bahn, der Zug kommt verspätet? Ein Blick auf die entsprechende Anzeige an der Haltestelle oder auf eine heruntergeladene App – und man weiß Bescheid. Schaffe ich den Anschluss am Zielort zur nächsten Bahn noch? Welche Alternativen habe ich? Was für den Schienenverkehr möglich ist, soll bald auch im Landkreis Aurich für den Busverkehr möglich sein – mithilfe eines Echtzeitdatensystems .

Der Ausschuss des Landkreises für Kreisentwicklung hat in seiner jüngsten Sitzung in Norddeich deshalb eine Richtlinie zur Förderung entsprechender Systeme durchgewunken. Sind auch die Mitglieder des Kreistages dafür, fördert der Landkreis die Anschaffung notwendiger Hardware mit insgesamt gut 1,1 Millionen Euro und beteiligt sich zudem an anfallenden laufenden Kosten in Höhe von etwa 50 000 Euro pro Jahr .

Ingo de Vries vom Amt für Wirtschaftsförderung und Kreisentwicklung des Landkreises erläuterte den Ausschussmitgliedern den Finanzierungsplan, den besonders Gila Altmann (Bündnis 90/Die Grünen) und Reinhard Warmulla (Die Linke) kritisierten. De Vries hatte vorab auf eine Landesförderung von 75 Prozent verwiesen für die Einführung eines solchen Systems .

Das Verfahren sei aber nicht nur kompliziert und aufwendig, sondern bedeute auch, dass man sich für zwölf Jahre binde. Hardware aber müsse vermutlich nach acht Jahren schon ersetzt werden, gab de Vries zu bedenken .

Zeitnah umsetzen

Zudem sei die Förderung nur für die gesamte Region möglich, nicht aber allein für den Landkreis Aurich. Es habe aber mit den anderen Landkreisen und Beteiligten im Verkehrsverbund Ems-Jade (VEJ) keine Einigung gegeben, deshalb habe man sich entschieden, sogenannte Regionalisierungsmittel einzusetzen. Damit könne das Projekt finanziert und außerdem zeitnah umgesetzt werden. „Das sind Mittel, womit wir den ÖPNV substantiell verbessern könnten“, kritisierte Warmulla, dass das Geld für dieses Echtzeitdatensystem genutzt werden soll (Öffentlicher Personennahverkehr, Anm. der Redaktion). Warmulla enthielt sich deshalb gemeinsam mit drei weiteren Ausschussmitgliedern bei der Abstimmung .

Mithilfe der Fördergelder sollen die Busse mit echtzeitfähigen Fahrscheindruckern ausgestattet werden. Diese leiten die aktuellen Ist-Zeiten der Busse weiter an eine zentrale Datendrehscheibe, wo abgeglichen wird, inwieweit der Bus von seiner Soll-Ankunftszeit an den Haltestellen entfernt ist. Von besagter Drehscheibe werden die aktuellen Daten weitergeleitet – an entsprechende Displays an den Haltestellen und gegebenenfalls an mobile Endgeräte wie Smartphones .

Integraler Taktfahrplan

Bei der Verwaltung hofft man so auf einen attraktiveren ÖPNV, der nicht nur von Schülern genutzt wird, sondern auf Dauer für möglichst viele Menschen eine Alternative zum Auto darstellt. „Das ist viel Geld und viel Technik für wenig ÖPNV“, war Altmann nicht überzeugt .

Parallel lässt der Landkreis derzeit über das BPV Consult Planungsbüro einen integralen Taktfahrplan planen und erstellen. Christian Huber präsentierte dem Ausschuss den derzeitigen Stand. Man sei noch am Anfang des Projektes, sagte Huber, der auf die Besonderheit der Situation im Landkreis verwies: dass nämlich keine gemeinwirtschaftliche, sondern eine eigenwirtschaftliche Basis zugrunde liegt .

„Es läuft gut“, bescheinigte Huber den beteiligten Unternehmen eine gute Zusammenarbeit, „aber es lässt sich optimieren.“ Ziel sei, den Busverkehr besser zu vernetzen und Verspätungen zu reduzieren beziehungsweise zu vermeiden. Das Planungsbüro erstelle derzeit ein Konzept, bei dem die Verkehrsunternehmen einbezogen seien. Man habe zunächst den Bereich Aurich-Georgsheil ins Auge gefasst, hierfür soll bis August dieses Jahres ein Konzept erstellt und bewertet werden. Oft, so Huber, gehe es gar nicht um große Veränderungen, sondern nur um wenige Stellschrauben, an denen gedreht werden müsse. Bis zum Oktober soll landkreisweit ein Konzept vorliegen, das ab November bereits umgesetzt werden soll. In der nächsten Sitzung wolle man erste Ergebnisse vorstellen .

Ingo de Vries machte auf Nachfrage deutlich, dass der bisherige Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) in Aurich auf Dauer nicht haltbar sei. Aurich ist der zentrale Knotenpunkt im Rahmen des Konzeptes – der alte ZOB sei nicht barrierefrei, sagte de Vries. Zudem sei es nicht möglich, dem zunehmenden Verkehr, der zu festen Zeitpunkten den ZOB anlaufe, abzuwickeln. ish

Emden vom Samstag, 8. Juni 2019, Seite 4 (4 Views)

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